Oben, unten, oben, unten: Das klassische Weben kennen die meisten nur noch aus dem Werkunterricht. Die Traditionsfirma David Fussenegger nutzt die Technik, um kuschelig-weiche Decken und bunte Kissen herzustellen – auch für den Tirol Shop.


Das Muster entsteht in Sekundenschnelle: Zentimeter um Zentimeter wächst die Stoffbahn an. Es ist laut, in der Halle laufen mehr als zehn Maschinen gleichzeitig. Auf dem Stoff werden jetzt Flügel sichtbar, dann der Kopf, schon ist ein Tiroler Adler zu erkennen.



Die stetig ratternden Webmaschinen gehören der Vorarlberger Firma David Fussenegger. Das Unternehmen ist ein Traditionsbetrieb in der Textilindustrie: Die Firma entstand 1932 in Dornbirn und hat sich auf gewebte Produkte aus Baumwollgarn spezialisiert. Neben fünf eigenen Kollektionen pro Jahr fertigt Fussenegger exklusive Produkte für andere Unternehmen, für Hotels oder Organisationen. Auch im Sortiment des Tirol Shops sind Fussenegger-Produkte zu finden: Die eigens designten Tirol-Decken und Kissen zählen zu den Bestsellern. Wie viel – auch händische – Arbeit hinter den Produkten steckt, zeigt sich spätestens beim Rundgang durch die Produktionsstätte.


Erinnerungen an die Volksschule
Alle Artikel werden in Jacquard-Technik hergestellt: „Man kann sich das eigentlich ähnlich vorstellen wie die ersten Webversuche in der Volksschule“, sagt Thomas Griessmayer, Vertriebsleiter bei David Fussenegger.
Wenn man die vielen unterschiedlichen Muster sieht, die in den großen Webmaschinen entstehen, erinnert freilich wenig an die ersten Webversuche im Werkunterricht. Die Technik ist aber eigentlich (fast) die Gleiche: Es wird mit zwei Farben gewebt. Der lange Faden, die Basis, ist immer weiß. Der sogenannte „Schuss“ ist bunt, so entstehen die Muster.
Manche Decken sind so detailverliebt, man kann sich kaum vorstellen, dass sie wirklich gewebt wurden: „Unsere erste Fussenegger-Decke entstand nach Fotovorlage“, erinnert sich Claudia Pichler, Geschäftsführerin des Tirol Shops. Eine romantisch-verschneite Winterlandschaft war das Motiv: Dieses wurde von einer Designerin in mühevoller Detailarbeit am Computer gerastert und jeder Punkt definiert. Schließlich wurde eine Vorlage – ähnlich einer Druckplatte – erstellt. „Die Maschinen setzen die Vorlage dann um. Dass ein Stoff wirklich gewebt ist, erkennt man übrigens auch daran, dass das Motiv auf der Rückseite umgekehrt ist“, erklärt Griessmayer.


Das wichtigste Werkzeug: Feine Drahtbürsten
Nach dem Weben wird der – bislang noch wenig kuschelige – Stoff aufgeraut. Hinter diesem Prozess steckt auch das Geheimnis der David Fussenegger-Produkte. „Eigentlich sind wir noch immer eine Manufaktur. Ja, die Stoffe werden maschinell gewebt, aber damit sie flauschig weich werden, ist viel Feingefühl und Expertenwissen notwendig,“ sagt Griessmayer. Das Aufrauen geschieht mit feinen Drahtbürsten. Je nach Stoff muss unterschiedlich viel Druck erzeugt werden. „Das Aufrauen ist ein langer Prozess, alle Stoffbahnen werden mehrmals bearbeitet.“ Am Ende wird aus dem gewebten Stoff weicher Flanell.


Nähen, falten, verpacken: Alles von Hand
Im Nebenraum der überdimensionalen Webstühle sitzen Näherinnen an den Maschinen. Sie endeln die zugeschnittenen Decken und verleihen ihnen den letzten Schliff. Dann werden die Decken händisch gefaltet und verpackt. „Wir liefern das gesamte Produkt, vom Garn bis zum verpackten Artikel, das ist unsere Stärke.“ Verkauft werden die Produkte übrigens nur über Händler. Exklusiv im Tirol Shop sind die Kissen und Decken im Tirol-Design erhältlich. „Und für die neue Kollektion haben wir schon wieder viele Ideen im Kopf“, verrät Claudia Pichler. 


Bio-Baumwolle oder recyceltes Garn
„Uns ist es wichtig, dass unsere Partnerfirmen nachhaltig und regional arbeiten“, sagt Claudia Pichler. Fussenegger sei ein Vorzeigebeispiel: Für die Tirol-Decken wird ausschließlich GOTS-zertifizierte Bio-Baumwolle oder Recycling-Baumwolle verwendet. „Die Bio-Baumwolle mit Zertifikat garantiert volle Transparenz über Herstellungs- und Arbeitsbedingungen während der Produktion - vom Bauern bis zum Endprodukt. Auch wir werden jährlich auf die Einhaltung aller Standards kontrolliert,“erklärt Griessmayer von Fussenegger.
Die Recycling-Baumwolle wird aus Primär-Abfällen der Textilindustrie, aus Stickereien und anderen Betrieben hergestellt. Die Reste werden gerissen, gedrechselt, geschreddert und dann zu der Farbe gemischt, die gebraucht wird. Anschließend wird das Recycling-Garn gesponnen. Am Ende entsteht aus diesem Garn zum Beispiel der Kissenbezug „Tradition“.